LOWA Ticam GTX Testbericht

Test & Bericht LOWA Ticam GTX –  Wandern, oder auch neudeutsch: „Backpacking“ – Ein perfektes Tool für den perfekten Tripp auf jedem Gelände.

Erster Eindruck

Linker Schuh – klar. Auffallend ist die leutend orange Farbe. Einfach toll. Ein klassischer Bergschuh für „Backpacking„, also Bergwandern.

Beim ersten Anfassen fällt das geringe Gewicht des LOWA Ticam GTX auf. Legedlich 1.700 Gramm bei meiner Größe 43,5 (UK 9). Die Verarbeitung ist einfach top: Keine Kleberrückstände, die Nähte sind sauber gestochen und die Nieten für die Schnürung sind einwandfrei gesetzt. Das Innenfutter fein gesteppt und der Schuhrand weich gepolstert. Die Innensohle lässt sich selbstverständlich zum leichten Reinigen herausnehmen. Zwei bis zu 4,5 cm breite Gummiapplikationen im Zehen- & Fersenbereich schützen den Schuh und das gewachste Velour-Leder vor Abrieb.

 

Patentierte Schnürung „X-Lacing“

Wie oft ich mich schon geärgert habe – man schnürt den Schuh, zieht die Schuhbänder über Kreuz unter die Metallnase der Zunge und wenn die Masche gebunden ist: ZUPPPP! – Herausgerutscht! Ebenso lässt die nach unten gebogene Metallführung bei normalen Schnürschuhen kaum eine andere als bei den Standard-Leisten definierten Risthöhen zu.

X-Lacing verspricht eine gleichmäßigere Verteilung des Zuges auf den gesamten oberen Bereich der Zunge im Vergleich zu den „alten“ Metallhaken. Ich bin persönlich echt gespannt – noch hatte keiner meiner LOWAs ein solch innovatives Schnürsystem (Mehr Infos zum Thema „X-Lacing“ auf lowa.at).
Ganz interessanter Ansatz was die Schuhgeometrie betrifft. Gefällt mir!

 

Mehr Halt durch „FlexFit“

Beim ersten Anprobieren nach dem „Unboxing“ fiel mir die leichte Schrägstellung des Sprunggelenks nach vorne auf ….. alles klar …. Recherche: LOWA „FlexFit“ ! Der flexibel angebrachte offene erste Schnürhaken lasst sich beliebig bewegen – dies erhöht die Flexibilität bei Beugebewegungen nach hinten und vorne – der Seitenhalt bleibt unangetastet gut. Also gut, nun, beim Bergabgehen und extremen Beugungen des Vorfußes zum Sprunggelenk ist hier eine flexible Zone eingearbeitet. „Besserer Fersensitz durch die beweglichen Tiefzughaken“ – jetzt hab ich verstanden (Mehr Infos zu „FlexFit“ auf lowa.at).

Beim näheren Betrachten des „FlexFit“-Systems fallen Kugeln in den Schnürungshaken auf:

 

 

Kugelgelagerte Schnürung – *GEIL!*

Ein Detail, das man erst beim ersten Zuschnüren des Schuhes bemerkt: Kugelgelagerte Schnürösen! Wie geil ist das denn? Man schlüpft in den Schuh und zieht an beiden Enden des Schnürsenkels gleichzeitig und der Schuh macht genau das was er sollte: Er wird symetrisch enger! Oh Mann, das erste Mal, dass das mit einem Schuh so super hinhaut.

 

Ich bin sehr stolz auf die LOWA Entwicklungsabteilung – die hat echt tolle Arbeit geleistet.

 

 Gehen wie ein Masai (Vibram® „Masai“ Sohle)

Die neuentwickelte Laufsohle Vibram® „Masai“ verspricht ein gut gedämpftes, ermüdungsfreies und angenehmens Gehen selbst im schwierigsten Gelände. Auffallend ist die „Climbing Zone“ an der Fußspitze – diese fast durchgehende Partie bietet guten Halt in kurzen Kletterabschnitten. Anscheinend ist der Gummi selbstreinigend – die groben Brems- und Abstoßstollen sind trapezförmig nach außen verjüngt.

Ich finde es toll, dass LOWA hier nachhaltig denkt, denn der Schuh kann bei LOWA neu besohlt werden. Alte runter, neue rauf. Auf nassen Steinen hält der Backpacking-Kamerade ausgezeichnet.

 

Putzen, Schrubben & Co.

Der Nubuk-Lederschaft ist sehr leicht zu reinigen (2,3 mm dickes, sehr hochwertiges & weiches Leder) – mit einer Bürste den groben Dreck entfernen, feucht abwischen und danach gut eincremen. Die orangen Inlays bestehen aus beständiger Ledermischung; diese ist ebenso einfach mit Wasser, etwas Seife und einem Schwamm kinderleicht zu reinigen. Die Zunge nach der Pflege mit farbloser Schuhcreme – ich persönlich verwende Ballistol zur Schuhpflege – wieder etwas anrauen, so bleibt die Optik perfekt erhalten.

 

 

Bilder

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Weiterführende Infos

 

 

Hier noch ein Auszug des offiziellen Pressetext:

Für höchste Backpacker-Ansprüche
Dieser neue robuste Backpacking-Schuh ist für anspruchsvolle Touren auf der ganzen Welt entwickelt worden. Auch auf Klettersteigen ist der Ticam GTX® zu Hause. Für Stabilität sorgt der 2,3 mm starke Nubuk-Lederschaft. Das LOWA „FlexFit“-System erlaubt natürlichen Bewegungsspielraum im Sprunggelenk. Für eine perfekte Anpassung sorgen die Lace Loop Technik und flexibel angebrachte Schnürelemente sowie die Zweizonen-Schnürung. Das wasserdichte GORE- TEX®-Futter bietet ein gutes Fußklima. Mit der Vibram® Laufsohle „Masai“ mit groben Brems- und Abstoßstollen sowie einem selbstreinigenden Bergschuh-Profil ist eine herausragende Griffigkeit auf allen Untergründen garantiert. Die neue Zwischensohlenkonstruktion sorgt für hohen Gehkomfort. Der Schuh eignet sich für Steigeisen mit Riemenbindung. Gewicht pro Paar (UK 8): 1.600 g

14 Kommentare

  • Ulrich Zenker 15. April 2013 at 07:58

    Spät aber doch: einFETTEN bitte nur, wenn das Leder weich werden soll. EinWACHSEN erhält die Steifheit des Leders – was ja gerade bei Bergschuhen sein soll! Konnte das selbst beobachten: ich wachse und imprägniere meine Bergschuhe immer mit Snoseal bzw. Nanopro von Collonil, mein Bergkamerad nahm Bio-Lederfett von Frosch. Meine Schuhe (Ticam) waren nach einer Saison immer noch so fest wie neu, seine Schuhe (Camino) sind weich und labrig geworden, er hatte keinen Seitenhalt im Schaft mehr und auch im Vorderfußbereich vermißte er die Führung. Klar: der Ticam besteht aus gewachstem Velourleder. Fett löst Wachs auf und nimmt dem Lader so die steife Konsistenz. Daher mein Tip (vor allem an Christoph!): kein Fett oder Öl (Ballistol) auf Schuhe, bei denen guter Halt wichtig ist! Einfetten nur, wenn ein drückender Schuh auf den eigenen Fuß angepaßt und eingegangen werden soll. Liebe Grüße!

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    • Christoph 15. April 2013 at 09:38

      Servus Ulrich, ich verwende Ballistol für glatte Ledereinheiten. Velourleder imprägniere ich nur nach vorherigem Abbürsten. Aber das steht ja eh im Artikel oben.

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  • paul sommer 22. Februar 2013 at 19:43

    lieber christoph! zunächst danke für den test, da dieser meine kaufentscheidung beeinflusste. bitte entschuldige meine dumme frage: was genau ist wie zu pflegen? ich kann leider mit dem begriff inlay nichts anfangen. glaube ich stehe total auf der leitung?

    bin mit dem schuh äußerst zufrieden, morgen breche ich zu einer mehrtägigen tour in die alpen auf. es wird viel schnee geben deswegen sollte der schuh auch unbedingt trocken bleiben. hatte bis jetzt immer synthetik material, deswegen kenne ich mich mit leder absolut gar nicht aus.

    vielen dank u liebe grüße aus österreich!

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    • Christoph 23. Februar 2013 at 07:42

      Servus Paul! Ich bürste den Schuh immer unter laufendem Wasser ab, so bleibt auch das Velour-Leder schön rauh. Cremen brauchst den Schuh eigentlich nicht. Für gröbere Verschmutzungen nehme ich gern den Reinigungsschaum F100 – der wirkt Wunder. Und nach einem längeren Einsatz imprägniere ich den Schuh mit Pluvonin.

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      • paul sommer 23. Februar 2013 at 08:29

        herzlichen dank für die schnelle antwort! d.h. wachs kann ich mir sparen? dachte lederschuhe müssten nach jedem einsatz auch gewachst werden. ich würde sonst noch schnell eins kaufen.

        liebe grüße, ein im schnee fast schon erstickender paul 🙂

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        • Christoph 23. Februar 2013 at 10:50

          Velour Leder würde ich nicht wachsen. Eher mit spezieller Creme einschmieren. Perfekt ist halt ein Imprägnierspray – da bleibt das Leder so wie es sein soll: Rauh

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  • Jan 1. Oktober 2012 at 15:48

    Soll das bedeuten, dass alles was an diesem Schuh orange ist, Microfase-Inlays sind? Also die ganze Flanke? Ich habe das schwarze Modell und dachte eigentlich, dass dieser Bereich alles aus Nubukleder ist? Sieht irgendwie nicht nach Microfasern aus…

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    • Jan 1. Oktober 2012 at 16:14

      Noch etwas: das Obermaterial der Schuhzunge ist dann auch synthetisch? Danke vorab…

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      • Christoph 1. Oktober 2012 at 16:20

        Im Schaftbereich ist es doppelt-gelegtes Leder, unterhalb der Schnürung einfach-vernähtes Leder damit die Zunge beweglicher ist.

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    • Christoph 1. Oktober 2012 at 16:16

      Ist eine Mischung aus gefärbtem Leder und Microfaser an manchen Stellen – großteils aber Leder an der Flanke bis hoch zur Ferse

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      • Jan 2. Oktober 2012 at 08:02

        Danke! Hab deswegen auch nochmals bei Lowa angefragt, die mir innerhalb kürzester Zeit eine umfassende Antwort gegeben haben (großes Lob!):

        „Sehr geehrter Herr xyz,
        vielen Dank für Ihre Anfrage. Es freut uns sehr, dass Sie sich für einen Schuh von LOWA entschieden haben. Die orangen Seitenteile als auch der gesamte Zungenbreich sind aus Leder und sollten regelmäßig gepflegt werden. Nur der obere Teil des Schuhs mit der Aufschrift LOWA und Free Flex ist aus Synthetikmaterial. Die Lederteile am Schuh sollten Sie sowohl mit einem Wachs als auch mit einem Imprägnierspray behandeln. Die Synthetikmaterialien brauchen Sie nur zu imprägnieren.“

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        • Christoph 2. Oktober 2012 at 10:12

          Vielen Dank für die Info. Das Material an sich hatte eine andere Struktur. Vermutlich anderer Gerbprozess.

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  • dietrich bruno 19. August 2012 at 12:44

    bitte den schuh nicht mit schuhcreme (fetthaltige creme )einschmieren.
    sauber mit lauwarmem wasser reinigen, nach guter trocknung, (nicht an der sonne oder ofen) einwachsen und sprayen. so wird das leder nicht lasch.
    liebe grüsse bruno

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    • Christoph 21. August 2012 at 06:57

      Hallo Bruno – es werden nur der Schaft und die Lederstellen gefettet – die orangen Microfaser-Inlays werden nur mit Wasser und Seife behandelt – aber das steht ja eh im Artikel, wie du sicher gelesen hast.

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